Natürlich kann Mama jedes Problem lösen, und Papa kennt die Antwort auf alle Fragen. Schön wäre es… Wir Eltern stehen unter dem Druck, unseren Kindern immer alles erklären und ihre Probleme von Anfang bis Ende konstruktiv lösen zu können. Aber was, wenn wir euch sagen, dass manchmal einfach eure Anwesenheit, Berührung und eine Umarmung genügen, damit sich euer Kind verstanden fühlt? Sprechen wir ein wenig mehr über bindungsorientierte Elternschaft bei älteren Kindern.
Wenn ein Baby ein paar Monate alt ist, sind Bausteine, die sich nicht verbinden lassen, eine Katastrophe. Für ein zweijähriges Kind ist ein falsch geschnittener Apfel der Weltuntergang, und ein Fünfjähriger, der keine Antwort auf die Frage „Warum ist Milch weiß?“ bekommt, kann in Wut geraten. Ja, Probleme wachsen mit den Zentimetern.
Probleme des Kindes zu lösen, ist gar nicht so einfach, selbst wenn es nur um einen Turm aus Bauklötzen geht. Kinder sehen in uns Autorität und Enzyklopädie, und wir wollen sie nicht enttäuschen. Wir setzen uns selbst unter Druck, was zu Schuldgefühlen führt, wenn wir nicht in der Lage sind, unserem Kind etwas zu erklären, das ihm wichtig ist. Aber darum geht es eigentlich gar nicht…
Ein Kind ist neugierig auf die Welt, stellt viele Fragen und braucht Hilfe bei der Lösung von Problemen. Das ist natürlich und vollkommen normal. Du als Elternteil musst nicht wie eine App in Lichtgeschwindigkeit Antworten und Lösungen aus dem Ärmel schütteln. Dein Kind will deine Unterstützung – und diese bemisst sich nicht an deinem Allgemeinwissen.
Vielleicht lohnt es sich, das Thema etwas anders anzugehen. Ein guter Ansatz ist die bindungsorientierte Elternschaft, über die oft im Zusammenhang mit Babys gesprochen wird. Aber was ist mit älteren Kindern – brauchen sie keine Nähe?
Jeder von uns braucht sie, und wenn wir sie haben, fühlen wir uns sicher und verstanden. Kinder, die in einer bindungsorientierten Umgebung aufwachsen, zeigen mehr Empathie. Sie sind offen für ihre Umgebung, beobachten die Welt mit großem Interesse, analysieren sie aber auch. Sie können ihre Gefühle besser benennen und gehen leichter mit Stress um.
Was hat das mit der Lösung von Kinderproblemen zu tun? Nun, mit einem solchen kleinen Menschen ist es einfacher zu sprechen. Er kann verstehen, wenn du etwas nicht weißt, nicht kannst oder nicht erklären kannst. In schwierigen Momenten reicht ihm deine Anwesenheit und eine Umarmung. Und wie wirst du so ein Elternteil?
Sprich viel mit deinem Kind, auch über Alltägliches – wie der Tag im Kindergarten war oder was es auf dem Spielplatz gemacht hat.
Beziehe dein Kind in euer tägliches Leben und eure Aufgaben ein, wie Einkaufen, Putzen oder den Gang zur Post.
Lass dein Kind deinen Alltag kennenlernen, zeig ihm, was du bei der Arbeit machst und womit du dich beschäftigst.
Umarme es, wann immer sich die Gelegenheit ergibt.
Benenne Gefühle, sprich darüber, was du fühlst und warum das so ist.
Das Umarmen eines Kindes ist für es das günstigste, schnellste und am leichtesten verfügbare Heilmittel gegen alles Ungemach. Frustration, Traurigkeit, Wut, Enttäuschung, Angst… In solchen Momenten bringt eine Umarmung Trost. So kannst du viele seiner Probleme lösen, ohne überhaupt etwas zu sagen.
Es beruhigt das Kind und fördert seine Entwicklung.
Es regt die Ausschüttung von Oxytocin und Serotonin an – ein natürlicher und sofort verfügbarer „Stimmungsaufheller“.
Es reguliert die Emotionen und hilft dem Kind, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Es stärkt das Selbstwertgefühl.
Es ist einfach etwas Schönes und Angenehmes.
Die Zeiten, in denen Eltern wandelnde Enzyklopädien sein mussten, sind zum Glück vorbei. Nicht jede Situation und jedes Problem erfordern Worte und Erklärungen. Die Lösung von Kinderproblemen besteht nicht nur darin, konkrete Antworten und Lösungen zu geben, sondern auch darin, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen aufzubauen. Wenn du nicht weißt, was du tun oder wie du dich verhalten sollst – gib deinem Kind einfach eine Umarmung. Lass die Magie geschehen.